Überraschung aus England: Britische Notenbank erhöht Zinsen

Überraschung aus England: Britische Notenbank erhöht Zinsen

Überraschend für einige hat die Britische Notenbank in London als erste Bank seit Beginn der Pandemie die Zinsen angehoben. Allerdings sind sich Experten einig – dieser Schritt war abzusehen.

Hat die Bank of England die Zinswende eingeleitet?

Die seit langem erwartete Zinswende ist nun laut Finanzexperten angebrochen, nachdem die Britische Notenbank in London vor wenigen Tagen den Leitzins von 0,1 auf 0,25 angehoben hat. Außerdem stimmten die Notenbanker einstimmig für das Auslaufen des Anleihenkauf-Programms zum Ende des Jahres.

Obwohl die meisten Beobachter sich einige waren, dass eine Wende in der Zinspolitik bevorsteht, kam die Erhöhung der Zinsen angesichts der Omikron-Unsicherheit für einige von ihnen doch überraschend. Ausschlaggebend für diese Entscheidung ist wahrscheinlich die rasant ansteigende Inflation, deren Werte mit zuletzt 5,1 Prozent der Notenbank deutlich zu hoch waren.

Dazu ein Zitat von Thomas Gitzel / VP Bank:

“Es ist die erste Zinsanhebung unter den G7-Staaten seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Der Zinsschritt kommt überraschend”

Zinsen erhöhen: Ein mutiger Entschluss?

Anscheinend befand sich die Notenbank in einer „Pest oder Cholera“ – Situation. Die Währungshüter hatten die Wahl zwischen:

  • einer hohen Inflationsrate – welche für die Anhebung des Leitzinses spricht
  • zeitgleicher Dämpfung des Wirtschaftsgeschehens durch die sich schnell ausbreitende Omikron-Variante des Corona- Virus.

Stimmen aus deutschen Banken bestätigen diese Annahme. So äußerte sich Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW):

“Nachdem die BoE im November noch vor der Zinswende zurückgezuckt war, hat die Sorge vor den Inflationsgefahren heute die Oberhand gewonnen”

Anscheinend ist in England der Drang zur Erhöhung der Zinsen stärker als die Angst vor der drohenden Schwächung der Konjunktur durch Omikron. Dennoch erscheint der Schritt der englischen Notenbank den Beobachtern durchaus mutig, angesichts der hohen Zahlen an Neuinfektionen.

Keine leichte Entscheidung

Der geldpolitischen Ausschusses MPC bei der Bank of England hatte es hier mit keiner leichten Entscheidung zu tun. Die Notenbanker waren sich keinesfalls einig – acht von ihnen stimmten für eine Erhöhung des Leitzins – die Notenbankerin Silvana Tenreyro war nicht unter ihnen.

Außerdem kündigte die Bank of England weitere Straffungen der Zinsen an – allerdings sollen diese zukünftig in ausgewogenen Etappen erfolgen.

Anhebung von Zinsen: Gewinner der Entscheidung

Einziger Gewinner der Entscheidung der BoE ist das Britische Pfund. Dieses hatte im Anschluss an das Brexit-Referendum schlagartig an Wert verloren und konnte seit dieser Zeit kaum mehr an das gewohnte Kursniveau anknüpfen.

Den Zinzschnitt quittierte das Britische Pfund nun mit einem deutlich sichtbaren Kursgewinn gegenüber dem Euro und dem Dollar.

Nur der Anfang

Nur einen Tag, nachdem die Fed beschlossen hatte, ihre billionenschweren Anleiheneinkäufe zügig zurückzufahren, viel o.g. Entscheidung der Bank of England zur Zinserhöhung.

Die Mehrheit der US-Notenbank Mitglieder ist sich einige: Es wird voraussichtlich mindestens drei Leitzins-Erhöhungen um jeweils einen Viertel-Prozentpunkt im Jahr 2022 geben. Das führt nach Einschätzung der meisten Beobachter und Analysen zur Steigerung des Leitzinses in den USA auf 0,75 – 1 Prozent.

In den USA war die Inflationsrate bereits auf 6,8 Prozent gestiegen. Einen Wert, den man seit 40 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Verbraucher spüren das täglich – vor allem an den steigenden Lebensmittel- und Benzinpreisen.

Diese weltweite Entwicklung lässt für Experten und Beobachter nur einen Schluss zu: Es wird im Jahr 2022 auf jeden Fall mehr Anhebungen von Zinsen geben

Was ist mit den Brexit Risiken?

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist das Thema Brexit in den Hintergrund gerückt und es ist kaum nachvollziehbar, wer die Wirtschaft mehr belastet – die Pandemie oder der Brexit. Laut Experten dürften die Folgen des Brexits ohnehin erst langfristig in Erscheinung treten. Daher legt der Devisenmarkt derzeit seinen Fokus auf die Pandemie. Das bedeutet: Der Brexit hat als Belastungsfaktor für das Britische Pfund stark an Bedeutung verloren.

Es bleibt somit abzuwarten, inwieweit sich der Brexit nach der Pandemie auf die britische Wirtschaft auswirkt. Die bisherigen Zahlen im Bereich des Außenhandels sagen wenig über den Brexit Effekt aus. Obwohl im Januar 2021 ein Rückgang der Exporte in die EU zu verzeichnen war, ist nicht eindeutig nachzuvollziehen ob der Brexit oder die Pandemie die Ursache dafür war.

Fest steht, dass sich seit dem Lockdown im Januar die Exportzahlen im Laufe des Jahres trotz Brexit merklich gebessert haben.

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